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Bonner DRK-Wasserwacht veranstaltet 16. Tauchersymposium

Sicherheit und gesundheitliche Risiken beim Tauchen sind seit jeher die Themen der Bonner Tauchersymposien. Am Samstag, dem 21. April, fand die bundesweit beachtete Veranstaltung der Wasserwacht des Bonner DRK zum sechzehnten Mal statt.

16. Bonner Tauchersymposium

Foto: Ian Umlauff; Kreiswasserwachtsleiter Matthias Putschli

Foto: Ian Umlauff

Foto: Ian Umlauff

Rund 240 Besucher erlebten im Biomedizinischen Zentrum der Bonner Universitätsklinik ein hochkarätiges Programm von Vorträgen und konnten sich über aktuelle Sicherheits-Ausrüstung für Taucher und Schwimmer informieren. Zu den Besuchern zählten Freizeitsportler, aber auch zahlreiche Tauchausbilder verschiedener Sporttauchverbände sowie Berufs- und Einsatztaucher diverser Hilfsorganisationen, u.a. der DRK-Wasserwacht und der DLRG. Schließlich nutzten auch Rettungsdienstler und Notärzte das spannende Fortbildungsangebot, wie es so kein zweites Mal in der Bundesrepublik zu finden ist. Schwerpunkte des 16. Tauchersymposiums waren unter anderen das Tauchen mit Übergewicht, in der Schwangerschaft sowie das sogenannte Apnoetauchen, das Tauchen ohne Geräte bis in größere Tiefen.
Von Dr. med. Konrad Meyne und Dr. med. Karl-Heinz Schmitz erfuhren Sporttaucher, Tauchausbilder und Tauchmediziner, warum die von vielen Sporttauchverbänden vorgeschriebene Tauchtauglichkeitsuntersuchung bei übergewichtigen Menschen besonders wichtig ist. Nicht selten sei die Ausstellung der Tauchtauglichkeit eine Grenzfallentscheidung, so Meyne, Facharzt für innere Medizin mit Schwerpunkt Herzerkrankungen. Auch Karl-Heinz Schmitz, wie Meyne seit Jahrzehnten selbst Sporttaucher, führt als Facharzt für Innere Medizin und Herzspezialist Tauchtauglichkeitsuntersuchungen durch, die sogenannten TTUs. Er plädierte dafür, auch stärker übergewichtigen Personen das Tauchen zu ermöglichen, wenn nötig mit Einschränkungen, falls medizinisch nicht anders vertretbar. Von ihm kamen klare Empfehlungen, wie die TTU durchgeführt werden soll. In vielen Fällen sei bei der Tauchtauglichkeitsuntersuchung auch ein Belastungs-EKG auf einem Ergometer sinnvoll, um die Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems zu prüfen. Weitere wichtige Faktoren seien die Lungenfunktion und die Gesundheit des Hals-Nasen-Ohren-Bereiches. Das Tauchen mit Übergewicht solle keinesfalls stigmatisiert werden, betonte auch Dr. med. Lars Eichhorn, der das Tauchersymposium mitorganisiert hat. Eichhorn warb jedoch für ein entsprechendes Problembewusstsein.
Ebenfalls häufig Fragen gibt es zum Tauchen in der Schwangerschaft: Schwangere dürfen überhaupt nicht tauchen, erläuterte der Bonner  Tauchausbilder und Journalist Leif Kubik. Bis ins Groteske muten Erfahrungsberichte und authentische Fallbeispiele aus der Praxis an, von denen Dr. med. Karin Hasmiller berichtet, Fachärztin für Anästhesiologie im oberbayerischen Murnau. Immer wieder würden Sporttaucher grundlegende taucherische Regeln ignorieren, berichtet die Präsidentin der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin aus ihrer Praxis. In der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik in Murnau behandelt sie in den dortigen Druckkammern wiederholt Patienten mit der sogenannten Taucherkrankheit oder Opfer akuter Tauchunfälle, besonders aus Bergseen in den Alpen. Weil Bergseen höher liegen, bedeuten sie durch einen geringeren Luftdruck an der Wasseroberfläche eine erhöhte Gefahr für Taucher. Die Folgen einer Erkrankung an der sogenannten Taucherkrankheit, die beim Tauchen durch ungewollte Übersättigung des Körpers mit Kohlendioxid (CO2) auftreten könne, seien jedoch nicht immer hundertprozentig vorhersehbar. So berichtete Hasmiller von einem Sporttaucher, der sich trotz hohen Alters gleich mehrerer zu tiefer Tauchgänge an einem Tag und viel zu kurzer Pausen außerhalb des Wassers, den sogenannten Oberflächenintervallen, von den Symptomen der Taucherkrankheit erholte. In einem anderen Fallbeispiel war ein professioneller und kerngesunder Einsatztaucher trotz Einhaltung aller Vorschriften durch eine Taucherkrankung mit schwerem Verlauf tauch- und damit einsatzuntauglich geworden. Lähmungserscheinungen waren dem jungen Mann geblieben.
Auch für das Apnoetauchen, das Freitauchen ohne Atemgase in Flaschen, sei eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung (TTU) dringend erforderlich, hieß es. Der auch in Deutschland immer populärer werdende Wassersport sei "nicht gefährlich, wenn man weiß, was man tut", betonte Dr. Karl-Heinz Schmitz, unter anderem Sachabteilungsleiter beim Tauchsportverein NRW. Angesichts des steigenden Zulaufs, den das Apnoetauchen erfährt, betonte Professor Rainer Meyer, begeisterter langjähriger Sporttaucher und emeritierter Professor am Physiologischen Institut der Uni Bonn, nicht nur die Vorzüge, sondern auch die Belastungen für den Körper, mit denen der neue Trendsport einhergehe. "Apnoetauchen ist kein Gesundheitssport", so sein Fazit.

Die Idee der Initiatoren ist es, den Teilnehmern eine Basis für den Gedankenaustausch aus dem umfangreichen Spektrum der Wasserrettung, Tauch- und Notfallmedizin zu ermöglichen. Sporttaucher kommen mit Notärzten, Einsatztaucher mit Wissenschaftlern, Tauchmediziner mit Tauchlehrern in Kontakt. Die Bildung von Netzwerken ist eines der Ziele des Symposiums. "Wir haben uns dieses Jahr um eine ökologisch besonders nachhaltige Veranstaltung bemüht", so Mathias Putschli, der Kreisleiter der Bonner DRK-Wasserwacht und der Verantwortliche hinter dem Bonner Tauchersymposium. "Es gibt kein Einweggeschirr sowie nur Bio-Backprodukte und Bio-Obst beim Catering."
 Wie in den Jahren zuvor hat die Bonner DRK-Wasserwacht das 16. Tauchersymposium vollständig ehrenamtlich organisiert und durchgeführt. Erstmalig fand es im Jahr 2000 mit etwa 50 Teilnehmern statt. Mittlerweile treffen sich bei der jährlichen Veranstaltung mehrere hundert interessierte Besucher.   Infos zur DRK-Wasserwacht in Bonn: www.wasserwacht-bonn.de
Infos zum 16. Bonner Tauchersymposium: www.bonner-tauchersymposium.de 

3. Mai 2018 12:13 Uhr. Alter: 197 Tage