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Mission Menschlichkeit

Jubileum: 45 Jahre DRK-Hospitalschiff "Helgoland"

Das DRK-Hospitalschiff MS Helgoland im Hafen der vietnamesischen Stadt Da Nang

Ein fröhliches Wiedersehen: Rund 70 ehemalige Besatzungsangehörige und Patienten der MS-Helgoland am 20. Oktober beim Festakt im Bonner Haus der Geschichte. Zur Besatzung gehörten auch diverse Rotkreuzangehörige aus Bonn. (Foto: Ian Umlauff/DRK)

Es war fast wie ein Klassentreffen: Anlässlich eines Festaktes zum 45. Jubiläum des Einsatzes des DRK Hospitalschiffes MS Helgoland im Vietnamkrieg trafen sich rund 70 ehemalige Besatzungsmitglieder und einige Patienten, die auf dem Schiff Hilfe gefunden haben, am 20. Oktober im Bonner Haus der Geschichte.
DRK-Präsident Dr. Rudolf Seiters und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Naumann ehrten die Besatzungsmitglieder und bedankten sich für ihr unbezahlbares Engagement bei diesem humanitären Einsatz während des Vietnamkrieges. "Mit Stolz und Freude schauen wir zurück auf diesen Einsatz", so Seiters. Große Dankbarkeit äußerte auch die stellvertretende Botschafterin der Sozialistischen Republik Vietnam Lie Ti Tu über den Einsatz der in Vietnam "legendären" Helgoland.
1965 hatte US-Präsident Lyndon B. Johnson vom deutschen Bundeskanzler Ludwig Erhard zur Unterstützung der US-Truppen den Einsatz deutscher Bundeswehrsoldaten in Vietnam gefordert. Aus dem Auswärtigen Amt an der Bonner Adenauerallee kam eine bessere Idee: statt eines Kampfeinsatzes deutscher Soldaten ein humanitärer Friedenseinsatz des Deutschen Roten Kreuzes. Die Proteste gegen den Vietnamkrieg hätten ständig zugenommen, ein DRK-Einsatz habe jedoch bei der deutschen Bevölkerung überwältigende Zustimmung gefunden, sagt DRK-Präsident Seiters. So begann im September 1966 eine der größten und längsten Auslandsmissionen in der Geschichte des Deutschen Roten Kreuzes. Sie endete vor 45 Jahren, im Januar 1972.
"Das weiße Schiff der Hoffnung" nannte die vietnamesische Bevölkerung das DRK-Hospitalschiff. Noch heute erinnern sich viele Menschen in Da Nang an das leuchtend weiße Schiff mit den roten Kreuzen, das damals wohl beste Zivilkrankenhaus in Südvietnam. Mit der Helgoland setzte Deutschland ein weltweit sichtbares Zeichen gegen Leid und Zerstörung. Eine von diversen Bonner Rotkreuzlern, die sich freiwillig für den Einsatz an Bord der MS Helgoland gemeldet haben, war Hedwig Frings. Zusammen mit weiteren DRK-Schwestern stieß sie im Oktober 1967 mit gerade einmal 25 Jahren für neun Monate zur medizinischen Besatzung der Helgoland. Organisiert war der Dienst in festen Schichten. Aber "wenn Verletzte an Bord kamen, haben wir rund um die Uhr gearbeitet, bis alle versorgt waren", erinnert sich Frings. Sieben Ärzte operierten an drei OP-Tischen, oft 24 Stunden pro Tag, rund 11.000 Mal während des fünfjährigen Einsatzes. In 150 Betten wurden in dieser Zeit rund 12.000 Menschen stationär behandelt. Insgesamt wurden ca. 80.000 Menschen an Bord medizinisch versorgt.
"Die Besatzung der Helgoland setzte damit ein Zeichen der Menschlichkeit – und das inmitten des grausamen Vietnamkrieges", sagt der Präsident des DRK. "Neutral und unabhängig Hilfe zu leisten, wie es den Grundsätzen des Deutschen Roten Kreuzes entspricht, hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt." Aktuell führt das DRK weltweit rund 50 Einsätze in Konflikt- und Katastrophengebieten durch. Wie Hedwig Frings und andere im Vietnamkrieg waren über die Jahre viele weitere Bonner Rotkreuzler an humanitären Auslandseinsätzen beteiligt. Der Bürgerkrieg im ehemaligen Jugoslawien oder die Ebola-Epidemie 2014 in Westafrika sind nur Beispiele. Erst im Oktober hat das DRK nach einem Pestausbruch ein ganzes medizinisches Behandlungszentrum nach Madagaskar entsandt. "Angesichts der vielen Krisen und bewaffneten Konflikte weltweit", sagt DRK-Präsident Seiters, "ist humanitäre Hilfe heute so wichtig und notwendig wie damals."

Mehr zur Helgoland unter https://www.drk.de/das-drk/geschichte/die-ms-helgoland-mission-menschlichkeit/

25. Oktober 2017 10:32 Uhr. Alter: 49 Tage