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Sanitätsdienstmarathon bei der COP 23

Über das politische Ergebnis der 23. Weltklimakonferenz, der COP 23, deren Gastgeber die Fiji-Inseln waren, die jedoch bei uns in Bonn ausgerichtet wurde, wird kontrovers diskutiert.

 Einig ist man sich jedoch: Was die organisatorischen Rahmenbedingungen in Bonn angeht, sei die Konferenz ein großer Erfolg gewesen. Als Veranstaltungsort für Großevents internationalen Ranges hat Bonn seinen weltweiten Ruf festigen können.

 Für die Hilfsorganisationen, wie das Bonner DRK, bedeutete der Sanitätswachdienst für die zwölf Tage angesetzte internationale Konferenz mit 22.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern eine große Herausforderung. Der Dienst begann bereits vor der offiziellen Konferenzeröffnung, die umfangreichen Vorbereitungen bereits viele Monate zuvor. Am Ende waren überwiegend ehrenamtliche DRK-Helferinnen und Helfer über 14 Tage lang in 228 Schichten à acht Stunden im Dienst. An sieben Tagen sorgten zwei Helferinnen und Helfer sogar über Nacht für einen Sanitätswachdienst. Insgesamt leisteten die DRK-Angehörigen 1932 Helferstunden, d.h. fast 40 Prozent der über 5000 Helferstunden insgesamt. Zwei Ärztinnen des Bonner DRK, die in den Medical Centern in der Bula-Zone Dienst getan haben, kommen außerdem hinzu. Nicht eingerechnet sind die Arbeitsstunden für Einrichtung und Abbau der sogenannten Medical Centre, in denen die Helferinnen und Helfer ihre Standorte hatten. Unterstützt wurde der DRK-Kreisverband Bonn von DRK-Angehörigen nicht nur vom Ortsverband Wachtberg. Auch aus Berlin und Münster sind DRK-Helferinnen und -Helfer angereist.

 Um die fast zweiwöchige Großveranstaltung sanitätswachdienstlich betreuen zu können, haben alle Bonner Hilfsorganisationen, also auch der Arbeiter-Samariter-Bund, die Johanniter Unfallhilfe und der Malteser Hilfsdienst, in bewährter Weise unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Sanitätsdienst kooperiert. Insgesamt waren rund 450 Einsatzkräfte der vier Hilfsorganisationen an diesem Dienst beteilig. Zu versorgen hatten sie in erster Linie Fälle Unwohlsein, Erschöpfungssymptome und Erkältungsbeschwerden, aber auch eine vermutlich gebrochene Hand sowie Herz-Kreislauf-Beschwerden und neurologische Symptome. 546 Hilfeleistungen gab es insgesamt. Zwanzig Mal kamen Rettungs- und Notarztdienst zum Einsatz und brachten Patienten in Bonner Krankenhäuser. 

Beim Bonner DRK für die Organisation des Großdienstes verantwortlich war Manuela Gutsmiedl, auch sie ehrenamtlich. Beim DRK ist sie Rettungsassistentin und Zugführerin,  hauptberuflich arbeitet sie bei der Heimaufsicht der Stadt Bonn. Unterstützt wurde Gutsmiedl von Judith Quiske aus der Geschäftsstelle der DRK-Kreisverbandes Bonn. Die Organisation des Sanitätsdienstes, die bereits im Frühjahr begonnen hat, "bedeutete insofern eine große Herausforderung, als dass es in der Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) und der UNO sowie der vielen weiteren Organisationen, die die Weltklimakonferenz koordiniert haben, zu einer Vielzahl von Absprachen und Kompromissen kommen musste", erklärt Gutsmiedl. Aufwändig gewesen sei auch "die getrennte Planung der zwei Konferenzzonen, der Bonn Zone in Zuständigkeit des BMUB, und der BULA-Zone, die extraterritoriales Gebiet war in Zuständigkeit der UNO", erklärt Dirk Lötschert vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB). Lötschert war im Auftrag der ARGE Sanitätsdienst seit April für die Gesamtplanung des Dienstes verantwortlich. "Nicht zu vergessen ist auch die Logistik im Hintergrund, die Shuttleservices, Dienstpläne aller Organisationen, Statistik, Auswertung, Personallisten, Materialbeschaffung, Abstimmungsgespräche, Arbeitskreise und anderes umfasste." Unter anderem mussten sich sämtliche beteiligten Helferinnen und Helfer einer aufwändigen Sicherheitsüberprüfung unterziehen. Während der Konferenz schließlich hat sich "ein gut strukturiertes und gut organisiertes Zusammenarbeiten entwickelt", so Gutsmiedl. "Das Zusammenspiel der vier Hilfsorganisationen hat nicht nur sehr viel Spaß gemacht, wir alle haben voneinander lernen können."

 Auch auf Bundes- und internationaler Ebene war die Rotkreuz- und Rothalbmondbewegung an der COP 23 beteiligt. Das Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes in Berlin hatte einen eigenen Infostand in der Bonn-Zone, genauso die Internationale Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften. Sie war unter anderem vertreten durch Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Rotkreuz-Rothalbmond-Klimazentrums in Den Haag.  "Der Klimawandel ist Realität", sagt Alexandra Rüth, Klimaexpertin des DRK-Generalsekretariats. Deshalb ruft auch das Deutsche Rote Kreuz angesichts der Folgen des weltweiten Klimawandels zu einem Umdenken auf. "Das DRK arbeitet in Hochrisikoländern, in denen sich die Lage in den nächsten Jahrzehnten dramatisch verschlimmern wird. In erster Linie sind die Armen und Schwachen den negativen Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt. Um die am stärksten gefährdeten Menschen zu schützen, müssten humanitäre und entwicklungspolitische Akteure ihre traditionellen Ansätze anpassen und Regierungen der betroffenen Länder proaktiver zu Risikomanagern werden." Auf Bundesebene reagiere das DRK bereits weltweit auf die deutliche Zunahme von Extremwetterlagen, Überflutungen sowie auf eine steigende Zahl von Opfern und Betroffenen. Hilfsmaßnahmen nach Eintritt der Katastrophe werden heute zunehmend ergänzt durch Vorsorgemaßnahmen. Schon vor einer Katastrophe soll die Widerstandsfähigkeit, die sogenannte Resilienz, gesteigert werden, um die Zahl der Opfer zu reduzieren und den Schaden zu mindern. "Studien zeigen, dass eine Investition von einem Dollar präventiv zwischen vier und sieben Dollar an Kosten für Nothilfe und Wiederaufbau einspart", erklärt Rüth. 

Ein positives Fazit zogen hiesige Verantwortliche am Ende der Konferenz. "Das DRK Bonn hat gezeigt, dass es mit seinen Helferinnen und Helfern in der Lage ist, auch über viele Tage hinweg hoch motiviert und gut ausgebildet für Menschen jeglicher Nationalität und Sprache einfühlsame, hochwertige sanitätsdienstliche Betreuung zu leisten", so Manuela Gutsmiedl. Dirk Lötschert vom ASB lobt die "außergewöhnliche und vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Hilfsorganisationen." Es habe "Spaß gemacht, diesen Einsatz planen und führen zu dürfen." "Bonn war ein toller Gastgeber und dafür möchte ich mich bei den Bonnerinnen und Bonnern bedanken", sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendriks am Ende der Konferenz. Sie hätten dazu beigetragen, Bonn als UN-Standort weiter zu festigen. Auch das Klimasekretariat der Vereinten Nationen (UNFCCC) und die nordrheinwestfälische Landesregierung haben sich bei allen Beteiligten, darunter dem Bonner DRK, bedankt. Konferenzteilnehmer sagten sogar, die COP 23 in Bonn sei "die am besten organisierte Klimakonferenz gewesen, an der sie bisher teilgenommen hätten." Zusammen mit ASB, JUH und MHD dürfte das Bonner DRK ein gutes Stück dazu beigetragen haben.

28. November 2017 08:39 Uhr. Alter: 15 Tage