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Bonner Kreisbereitschaftsleiter spricht im Amos-Comenius-Gymnasium über die Flüchtlingsbetreuung durch das DRK

Es ist ein trauriger Rekord: 66 Millionen Menschen waren am 19. Juni 2017, dem offiziellen UNHCR-Flüchtlingstag, weltweit auf der Flucht,

Foto: Ian Umlauff

mehr als jemals zuvor seit Gründung der Organisation im Jahre 1950. Den diesjährigen Weltflüchtlingstag nutzte die Schülervertretung (SV) des Bonner Amos-Comenius-Gymnasiums als Anlass für eine Infoveranstaltung, zu der auch Peter Winter, der Kreisbereitschaftsleiter des Bonner DRK, eingeladen war.
 Weitere Gäste waren Bernhard „Felix“ von Grünberg (SPD), ehemaliges Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags und stellvertretender Vorsitzender der UNO-Flüchtlingshilfe, sowie zahlreiche jugendliche Flüchtlinge, die an Godesberger Schulen Integrationsklassen besuchen. Sie hatte die Schülervertretung eingeladen, um aus erster Hand von ihrer Flucht zu berichten, von der heutigen Lage in ihren Heimatländer und von ihrem bisherigen Leben in Deutschland. Moderiert wurde die Veranstaltung von Nyoxani Mazive, dem Schülersprecher des Amos-Comenius-Gymnasiums und Initiator der Veranstaltung, sowie der stellvertretenden Schülersprecherin Ann-Sophie Schenk.
In sehr bewegenden Berichten schilderten die Jugendlichen aus Syrien und Afghanistan die Flucht aus ihren vom Krieg geschundenen Heimatländern und den langen Weg zu uns nach Deutschland. Was zu Beginn der Veranstaltung durch einen Ausschnitt aus der WDR-Fernsehdokumentation „My Escape“ veranschaulicht worden war, wurde durch die Erzählungen der live anwesenden jugendlichen Flüchtlinge erschütternd konkret und real. Mit dabei waren zwei junge Afghanen, Mustafa und Hakim, die mit großem Engagement Deutsch lernen und sich um ein schulisches Fortkommen oder eine Ausbildung bemühen.  Beide mussten berichteten, dass ihre Asylanträge abgelehnt worden seien. Ständig rechnen sie mit ihrer Abschiebung. Es mache sie traurig und wütend, weil sie Fälle kennen, wo straffällig gewordene akzeptierte Asylbewerber in Deutschland bleiben dürften. Dass die Bundesregierung Abschiebungen nach Afghanistan nach dem Bombenanschlag nahe der deutschen Botschaft in Kabul am 31. Mai vorerst ausgesetzt hat, scheint auf die Jugendlichen wenig beruhigend zu wirken. Statt dessen betonten sie, wie gefährlich für sie eine Rückkehr in ihr Heimatland sei.
DRK-Kreisbereitschaftsleiter Peter Winter schilderte seine Erfahrungen mit der Betreuung diverser Flüchtlingsunterkünfte in Bonn, für die er in den vergangenen Jahren zuständig gewesen ist. Winter berichtete von der hohen Einsatzbereitschaft der ehrenamtlichen Bonner DRK-Helfer sowie zusätzlicher Freiwilliger. Für ihn selbst sei die Verantwortung für die Flüchtlingsbetreuung durch das Bonner DRK sehr schnell und für lange Zeit zum Vollzeitjob geworden, viele Stunden pro Tag, sieben Tage die Woche. Winter dankte seiner eigenen Familie, den Bonner Rotkreuzhelfern und ihren Familien sowie den Arbeitgebern der Helfer für das Verständnis. Viele Arbeitgeber hatten wiederholt ihre Arbeitnehmer, die ehrenamtlich beim Roten Kreuz aktiv sind, für diesen unbedingt nötigen humanitären Einsatz freigestellt.
Zuhörer bei der Veranstaltung waren Amos-Schülerinnen und Schüler der Jahrgangstufen 8 und 11 (Q1), zahlreiche Jugendliche aus Integrationsklassen der Otto-Kühne-Schule Bad Godesberg sowie begleitende Lehrerinnen und Lehrer. Die rund 240 Zuhörerinnen und Zuhörer beteiligten sich am Ende mit Fragen an der Diskussion. Die Schülervertretung des Amos hätte sich mehr Zuhörer aus den eigenen Schülerreihen gewünscht. Die diesjährigen Abiturienten des Amos hatten ihren letzten Unterrichtstag jedoch bereits hinter sich, die Schülerinnen und Schüler der 10. Klasse (EF) des Amos leisteten ihr mehrwöchiges Sozialpraktikum ab. Die 9. Klasse hatte Projektunterricht. "Trotzdem wollten wir die Veranstaltung am offiziellen UNHCR-Weltflüchtlingstag machen", sagt Amos-Schülersprecher Nyoxani Mazive. "Wir wollten den Synergieeffekt mit anderen Veranstaltungen und dem Medienecho nutzen und dazu beitragen, dass nicht nur die anhaltende, sondern sogar zunehmende Flüchtlingskrise im Bewusstsein bleibt, auch wenn bei uns in Deutschland aufgrund der Abschottung der EU derzeit kaum noch Flüchtlinge ankommen."

Ian Umlauff

19. Juli 2017 09:57 Uhr. Alter: 94 Tage